Kostenlos ist nicht frei und die Folgen für OER

Liebe OER-Community,

Im folgenden Beitrag geht es um den Unterschied zwischen freien und kostenlosen Medien, die der OER-Community zur Verfügung stehen, sowie um die Auswirkungen auf die ehrenamtliche Arbeit der ZUM-Apps-Administration.

Aber der Reihe nach…

Wo finde ich Medien für mein OER-Produkt?

Als Lehrkraft möchten Sie Elemente Ihres Unterrichts als OER veröffentlichen und brauchen dazu passende Medien. Deshalb begeben Sie sich auf die Suche nach entsprechenden Repositories.Hier gibt es zum Glück viele Webseiten – zwei prominente Beispiele:

https://wb-web.de/material/medien/wo-finde-ich-kostenlose-bilder-1.html und

100 tolle Quellen für OER – hier kommen alle Links und Tools

https://open-educational-resources.de/100-tolle-quellen-fuer-oer-von-sonja-borski/

Beide sind sehr umfangreiche und wertvolle Zusammenstellungen für die Community, zugleich haben sie jedoch – wie alle weiteren Repositories – das gleiche Problem: Aus „frei“ wurde „kostenlos“!

Dies hat zur Konsequenz, dass der Beitragstitel des ersten Beispiels „Wo finde ich kostenlose Bilder?“ und die Einleitung „Nachfolgend stellen wir einige Quellen für frei lizenzierte Bilder und Grafiken vor“ (Erstfassung 2015, inklusive Aktualisierungen) aus meiner Sicht leider überholt sind.

Was ist passiert?

Hier werfen wir einen genaueren Blick auf unser erstes Beispiel. In der Einleitung verweisen die Autorinnen und Autoren zwar auf CC-Lizenzen, stellen aber mit Flickr, Pexels und Pixabay drei Plattformen prominent vor, die sich mit ihren Eigenlizenzen bewusst – und aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar – von den freien Lizenzen abgrenzen.

Wo liegt jetzt das Problem?

Eigenlizenzen und echte freie Lizenzen (wie CC0, CC-BY und CC-BY-SA) unterscheiden sich grundlegend.

Kostenlose, aber nicht freie Medien eignen sich nicht zuverlässig für dauerhafte OER-Produkte, da sie von den Vorgaben der AGB der jeweiligen Anbieter abhängig sind. Mir ist bewusst, dass es sich um ein komplexes und sehr spezifisches Thema handelt. Gerade deshalb halte ich eine begriffliche Schärfe und eine stetige Sensibilisierung der Community für unerlässlich.Fazit: kostenlos versus frei

Die einen Medien sind kostenlos (aber nicht frei), die anderen sind frei (und zugleich kostenlos).

Und welche Konsequenz hat das z. B. im Alltag von ZUM-Apps?

Wir bemühen uns sehr, hier für ein besseres Bewusstsein bei den Usern zu sorgen, um zu vermeiden, dass bei der OER-Erstellung versehentlich Medien mit Eigenlizenzen verwendet werden. Diese Problematik tritt leider regelmäßig bei Veröffentlichungen auf der Plattform apps.zum.de auf. User erstellen liebevoll H5P-Dateien und erfahren nach der Veröffentlichung, dass ihre Lizenzangaben nicht den Standards entsprechen. Dies verursacht Frust bei den Erstellenden und zusätzliche Arbeit beim ehrenamtlichen Adminteam.

Der Lösungsversuch der ZUM

Aus diesem Grund weist das ZUM-Team seit diesem Sommer unter „Häufige Fragen zu Urheberrecht, OER und Lizenzen“ (https://apps.zum.de/faq-urheberrecht#toc-das-verwendete-bild-stammt-von-einer-quelle-die-keine-urheberrechtsangaben-verlangt-z-b-pixabay) explizit darauf hin.

Zudem pflegt das ZUM-Team (vielen Dank Karl und aktiven für die Unterstützung) eine eigene Übersicht zu freien Medien unter den H5P-WORKFLOWS auf https://apps.zum.de/quellen.

Dieses Angebot ist ein klassisches ZUM-Produkt und lebt von der Schwarmintelligenz und dem Engagement der Community und des Adminteams.

Neue Angebote bzw. Hinweise auf Veränderungen gerne an info[at]zum.de.

Gibt es weitere Verbesserungsmöglichkeiten?

Natürlich, aber diese sind nicht einfach, da dieses Thema einfach etwas sperrig ist und grundsätzlich mehr Platz in Ausbildung und Fortbildung von Lehrkräften benötigt (siehe Beitrag https://oerinfluencer.de/2025/07/09/potenzialorientiert-unterrichten-mit-h5p-oer-und-bycs/). Bereits im Studium sollten die Studierenden für das Thema „im Netz veröffentlichen“ sensibilisiert werden und es wäre ein großer Schritt, wenn es einen verbindlichen Platz in der Prüfung Schulrecht (2. Staatsexamen Bayern) bekommen würde.Im Bereich der Lehrkräftefortbildungen sollte die Begrifflichkeiten wie OER und CC-Lizenzen immer wieder beworben werden. Hierfür muss aber auch erst das Fortbildungspersonal entsprechend geschult werden. Beide Ansätze erfordern Zeit und Ressourcen, sind aber aus meiner Sicht unerlässlich.

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